Leben nach der Erschütterung –
anders als bisher?

Unser Leben, anders als bisher?
Unser Alltag, anders als vorher?
Unsere Wahrnehmung, anders als bisher?
Unsere Begegnungen, anders als vorher?
Unsere Bewegungen, anders als bisher?
Unsere Gespräche, anders als vorher?
Unsere Arbeit, anders als bisher?

Wirklich anders?
Wer will das schon?
Viele, zu viele sagen Nein dazu! Sie wollen ihr Vorher!
Sie sehnen sich nach dem Verlorenen zurück.
Ich frage nach welchem Verlorenen.
Ich frage warum und wohin nach welchem Vorher!
Hin zu wieder mehr um sich selbst kreisen?

Wie war das Kreisen doch so bequem und schön,
bevor die Dinge aus den Fugen gerieten,
höre ich zahlreiche Stimmen tönen.
Aber welchem Zweck dienten all diese Dinge,
wo führte die Gestern-Zeit, das Vorher uns hin?
Fragen, die jetzt hervorquellen,
anders als bisher, ganz anders?

Aus der Ferne winkt schüchtern ein Hoffnungsschimmer,
etwas aus dieser Zeit, die wir nicht gewollt haben, zu machen.
Über das Ziel wird heftig gestritten,
obwohl es Klarheit geben sollte.
Die Winzlinge haben uns vielleicht einen Weckruf gesandt,
der die globalen Strukturen erschütterte.
Doch wer will dies schon wahrnehmen oder wahrhaben.

Anders als bisher? Nein, zurück zu dem Gewohnten!
Mit lauten Tönen fordern Horden dies ein.
Dem bequemen Status von vorher erlegen
wird das „Anders als bisher“ zertrampelt.
Verdrängt und vergessen wird in dieser Zeit das allzu berechtigte Rufen
der unzähligen verzweifelten Menschen nach dem „Anders als bisher“,
das in den Trümmern ihres Kriegsalltags ungehört verhallt.

von Andreas Lukas © 2021

Zur Person:
Andreas Lukas, aufgewachsen im Saarland, lebt in Wiesbaden, Studium BWL und Promotion in Politikwissenschaft ist als Autor und freier Journalist tätig.
Sein zweiter Roman „Die ungleichen Gleichen“, Begegnung zweier junger Menschen, sie auf dem Lande aufgewachsen, er Flüchtling, führte ihn mit dem Musiker Aeham Ahmad aus Damaskus zusammen. Mit ihm hat er das Buch „TAXI DAMASKUS Geschichten, Begegnungen, Hoffnungen“ geschrieben, erschienen 2021, Wolfbach Verlag. Zum Berliner Literaturpreis „Wortrandale 2019“ war er für den Radio-Sonderpreis nominiert.

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